Glocken im Kreis Höxter: Die Schöne in Jakobsberg

Unter 4.000 katholischen Glocken im gesamten Erzbistum gefällt dem Sachverständigen Gerhard Best kaum eine so gut wie die Abendglocke in der Kirche St. Jakobus in Jakobsberg.


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Jakobsberg. Die Qual der Wahl: Als Glockensachverständiger des Erzbistums Paderborn ist Gerhard Best gemeinsam mit seinem Kollegen Theo Halekotte für rund 4.000 Glocken zuständig. Etwa 750 davon hat Best selbst mitkonzipiert. Denn als Experte berät er Kirchengemeinden, die ein neues Instrument für den Glockenturn anschaffen wollen. Bei so vielen Instrumenten allein in seiner Verantwortung fällt es dem Pastor schwer, eine einzige Lieblingsglocke auszuwählen. Es gebe mehrere, die ihm sehr gefielen. Eine seiner Favoritinnen ist die Abendglocke in der Kirche in Jakobsberg.

»Bei einer schönen Glocke stört die Zier nicht die Oberfläche«

Was macht denn eine Glocke schön in seinen fachmännischen Augen? „Bei einer schönen Glocke stört die Zier nicht die Oberfläche, sondern passt sich der Form an“, sagt Best. Name, Inschrift, Bild und Klang ergäben eine Einheit und seien nicht willkürlich zusammengefügt. „In Jakobsberg, da stimmt alles. Es ist ein kleines Geläut in einer wunderschönen historischen Kirche.“ In „feiner Ritzung“ zeige die Zier der Abendglocke den Heiligen Jakobus auf dem Pilgerweg. Passend dazu die Inschrift: „Es sinkt der Sonne Feuerschein · des Tages Lärm und Staub verweht · lass Herr · uns in den Frieden ein · wenn uns der Weg zuende geht“. Und weiter heißt es: „Hl. Apostel Jakobus + segne deine Gemeinde und begleite + die Menschen auf dem Weg zu Gott + Jakobsberg 1993“.

Er selbst habe an der Glocke mitgearbeitet, sagt Best. „Da sagen die Leute bestimmt, deshalb muss sie ihm ja gefallen.“ Aber, gibt er zu, in 43 Jahren als Glockensachverständiger sei ihm sicherlich nicht alles gelungen.

Wenn in einer katholischen Kirche im Erzbistum Paderborn eine neue Glocke angeschafft werden soll, stehen Best und sein Kollege Theo Halekotte der Gemeinde mit Rat und Tat zur Seite. Dabei gibt es viel zu beachten. Wenn zum Beispiel eine einzige Glocke in einem Geläut ersetzt werden soll, sollte sich das neue Instrument stimmlich einfügen. Glockengießereien können den Ton, den die Glocke später haben soll, berechnen. Heutzutage ist es außerdem möglich, etwas nachzubessern, falls das Ergebnis nicht ganz so ausfällt wie erhofft. Eine Möglichkeit, die in Mittelalter und früher Neuzeit nicht gegeben war. Das Glockendesign, also die Zier, entwerfen spezielle Künstler anhand von Vorschlägen der Gemeinden und Sachverständigen.

Die Abendglocke in der Kirche St. Jakobus in Jakobsberg ist Teil eines vierstimmigen Geläuts. Das Quartett wurde 1993 in Zinnbronze gegossen. Gemeinsam wiegen die Glocken mehr als 860 Kilogramm. Als das Geläut gestaltet wurde, ist ebenfalls ein neuer Glockenstuhl aus Eichenholz gebaut worden.

- von Svenja Ludwig, Neue Westfälische, Beverungen / Boffzen, Freitag, 08. Januar 2021